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  • Ina

Gefühlschaos

Ich liebe ihn.

Ich hasse ihn.

Ich vermisse ihn.

Ich verabscheue ihn.

Ich will ihn bei mir haben.

Ich will ihn auf die Mondin schießen.

Ich will mit im reden, mich ihm anvertrauen, ihn um Rat fragen.

Und ich will ihn einfach nur schütteln, anschreien und wissen, WARUM???


Ich öffne mich nicht leitfertig.

Ich gebe mich nur äußerst selten hin.

Ich vertraue mich nur sehr langsam an.

Ich vertraue im Grunde so gut wie gar nicht... mangelndes Urvertrauen in Menschen und so.

Und ich hatte bisher nie wirklich geliebt... bis jetzt.


Ja, ich hatte ein großes Päckchen mit mir zu tragen. Mommy issues, Daddy issues, die Sache mit dem Urvertrauen, toxische Bindungen jeglicher Art, missbräuchliche Beziehungen, Gewalt uvm. UND ich habe mich daraus erhoben, habe mich der Fesseln meiner Vergangenheit und karmischer Verwicklungen entledigt, habe dem Kollektiv meine Grenzen aufgezeigt und mich meinen eigenen Dämon*innen gestellt. Ich habe wirklich meine Hausaufgaben gemacht.


Ein kurzen, wunderschönen Moment lang durfte ich frei lieben und wurde zurückgeliebt. Zumindest dachte ich das. Jetzt ist dieser Moment auch schon wieder vorbei. Und es tut höllisch weh. Nur ist das gebrochene Herz nicht mein Hauptproblem. Noch der Verrat oder die Ignoranz. Das, was am meisten schmerzt, ist der Verlust meiner Hauptbezugsperson, meines Gefährten, Ansprechpartners, Spiegels... meines Herzmenschen auf so vielen Ebenen mehr als "nur" auf der romantisch-partnerschaftlichen. Er war schlichtweg auch mein bester Freund, mein Partner, mein Seelengefährte und der, dem ich alles erzählt habe. Das ist jetzt weg. Diese Form der Tiefe, der Verbindung, der Vertrautheit. Der Mensch, den ich glaubte zu kennen, ist nicht mehr, hat vielleicht nie existiert. Und das zu erkennen, zu verarbeiten, zerreißt mich gerade schier. Ich sehe mich fassungslos. Ich kann es tatsächlich nicht fassen.


Ich fühle mich so unglaublich einsam und verlassen, dass ich dafür keine Worte finde. In meinem Leben existiert aktuell keine Verbindung zu einem anderen Menschen, die auch nur eine ähnliche Tiefe und Vertrautheit birgt, wie die, die ich mit ihm erleben durfte. Ich fühle mich keinem anderen Menschen so nah, so zugetan, so vertraut. Und das wahrzunehmen tut noch mehr weh. Der Drang diese Leere mit Illoyalität mir selbst gegenüber zu füllen, ist unglaublich groß. Ein ziemlich großer und leider auch sehr mächtiger, da sehr alter, über Jahrzehnte gewachsener Teil in mir versucht mir einzureden, dass ich doch nur in die Liebe gehen brauche, ihm nur verzeihe müsste und dann wird das schon alles wieder. Grundsätzlich stimme ich diesem Ansatz zu. Nur nicht so, wie mein System das gerne umsetzen möchte. Das grenzt nämlich an Selbstaufopferung und würde bedeuten, dass ich mich ein weiteres Mal unter Wert verkaufe. Und das lasse ich nicht mehr zu.


Also wird nicht wieder geschrieben, nicht angerufen, nicht gesagt, dass wir daran arbeiten, gemeinsam in den Prozess gehen, daraus erwachsen und das schaffen können. Das klingt zwar reif und erwachsen... Das ist es aber nur, wenn sich auch wirklich beide Seiten aus freien Stücken und mit intrinsischer Motivation dafür entscheiden; somit der Energiefluss nicht einseitig ist. Und genau hier liegt das Problem. Bisher war immer ich diejenige, die länger geblieben ist, als gut für sie war, die alles gegeben hat und noch mehr, die gearbeitet, investiert, geleistet, gekittet, vergeben, getan und gemacht hat. Ich habe mich für die "Liebe" buchstäblich aufgearbeitet, um sie irgendwie möglich zu machen. Der Glaubenssatz "ich muss leisten, um geliebt zu werden/um liebenswert zu sein" zeigt sich hier in seiner vollen Pracht. Auch jetzt ist er hochaktiv. Ich verspüre die immense Tendenz erneut alles tun zu wollen, um es irgendwie wieder hinzukriegen. Und ich gebe mir die größte Mühe diesen Glaubenssatz nicht mehr zu bedienen. Dass mir das unbeschreiblich schwer fällt, brauch ich wohl kaum zu erwähnen. Meine derzeitige Situation ist DER Praxistest für mich in Sachen Selbstliebe, Würde und Selbstwert. Und ich bin fest entschlossen ihn zu bestehen.


Auch darf ich gerade über mich erfahren, dass ich das Gefühl der Trauer scheinbar irgendwie an Verlassenheits- und Einsamkeitsgefühle gekoppelt habe. Als hätte ich diese Gefühlsregungen gleichgesetzt. Wenn ich also neben dem, dass ich mich verlassen fühle, auch noch Trauer empfinde, fühlt sich das für mich wie die doppelte Packung an. Und da sagt mein System schlichtweg nein, das ist zu viel, wir lassen nur eines der Gefühle zu. Da Verlassenheit gerade das vorrangige Erleben für mich ist, ist für Trauer wie kein Platz. Und das macht alles noch schlimmer. Der Release meinen Schmerz rauszulassen, mal abweinen zu können, bleibt mir dadurch verwehrt. Mir ist bewusst, dass das mein System macht, um mich zu schützen. Es agiert aus der Liebe zu mir heraus. Und es ist mir nicht mehr dienlich. Leider finde ich aktuell keinen Weg meinem System das begreiflich zu machen. Auf der Ebene scheint noch nicht genug Vertrauen gewachsen zu sein. Minimum ein inneres Kind legt da nach wie vor ein riesengroßes Veto ein. Grandios.

Ok, dann lass(t) mal hören, was Du/Ihr braucht, um uns Trauer zu erlauben.

Ich brauche Trost.

Ich wünsche mir Halt.

Ich möchte umarmt und gehalten werden.

Ich will mit und in meinem Schmerz gesehen werden.

Ich sehne mich danach, dass mensch für mich da ist und mir Beistand leistet.

Ich wünsche mir, dass mensch mich um meiner Selbst willen liebt mit allem, was ich bin...


...auch mit und für meine Schwäche(n). Ich will schwach sein dürfen und das soll ok sein dürfen. Ich will, dass sich mensch mal um mich bemüht, sich um mich kümmert, für mich da ist, mir Raum hält, mich hält, mir das Gefühl von Wert gibt und Liebe entgegen bringt.


Japp, kann ich alles verstehen. Auch weiß ich, wo das alles herkommt. Und solange wir das von anderen erwarten, kann das nur immer wieder in unterdrückten Tränen enden. Also liebe Inas allen Alters, inklusive der Jetzt-Ina mit ihren ach so erwachsenen 34 Jahren - es ist endlich an der Zeit, dass wir uns das selbst schenken, dass wir uns selbst so behandeln, wie wir es uns wünschen behandelt zu werden.


Ina,

nimm Dich bitte selbst in den Arm. Schenk Dir selbst die innigste, liebevollste Umarmung, die Du Dir nur vorstellen kannst. Sei Dir selbst der Beistand, den Du Dir so sehr ersehnst.

Sprich Dir selbst Trost zu, Du hast so viele liebevolle Worte für alle anderen übrig, jetzt auch für Dich. Halte Dich auf die warmherzigste Art, die dir einfällt.

Kümmere und umsorge Dich, koche Dir Tee, mach dir eine Wärmflasche, zünde Dir Kerzen an, nimm ein Rosenblütenbad, schenk Dir zärtliche Selbstmassagen. Sei für Dich da, so wie Du es dir wünschst, es brauchst, es ersehnst und es verdienst. Du bist Deine größte Liebe und die eine untrennbare Verbindung, die ewig Bestand hat.

Ehre Dich selbst.

Liebe Dich!


AHÉ

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