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  • Ina

Verloren

Chaos in meinem Kopf. Chaos in meinem Herzen. Mein gesamtes Sein – Chaos.

Ein Freund hat mir vor kurzem seine Definition von Chaos erklärt – pure Weiblichkeit. Ungeordnet, ungezähmt, unberechenbar & wild. Vielleicht soll ich in diesem Chaos ertrinken, um wiedergeboren zu werden? Das wäre wenigstens eine positive Schlussfolgerung dieses grausamen Zustands, in dem ich mich befinde.


Es fühlt sich wie zerbrechen an, wie eine erneute Depression. Ertrinken im Nebel & gefangen in den Schatten längst vergangener Zeiten. Trotz wunderschöner Kulisse & Meer fühle ich mich verloren; eingesperrt in meinem Gedankenkarussell, unfähig auszusteigen. Disconnected. Lost. Ich spüre mich nicht, alles ist dunkel & leer. Einmal komplett aus dem Gleichgewicht geraten. Die dunkle Nacht der Seele.


Als ich gefragt wurde, wie lang ich unterwegs sein würde, hatte ich keine Ahnung. Nur ein wages Gefühl, dass Monat 4 ein Dealbreaker werden könnte. Das sollte sich mehr oder weniger bestätigen. Wer hätte geahnt, dass nicht nur der vierte Monat übel herausfordernd, sondern mein gesamter Aufenthalt in Tansania eine echte Zerreißprobe werden sollte? Jetzt stehe ich hier – once again – an einem Scheideweg, an welchem sich zeigen wird, aus welchem Holz ich geschnitzt bin.


Wie bereits in meinem vorherigen Post erwähnt, hat vieles aktuell mit dem Thema Grenzen zu tun. Aber nicht nur. Mein Gefühl sagt mir es geht wieder einmal ganz viel um Selbstwert, Selbstliebe & leider auch Selbstzweifel, Selbstverleugnung & Selbsthass. Neben dem, dass es mir gerade nicht wirklich gelingt meine Grenzen zu wahren, bin ich immer mehr davon überzeugt, dass ich einem Trugschluss aufgesessen bin. Ich war der Meinung oder habe mir eingeredet, dass ich mit dem Alleinsein gut zurecht komme & es sogar bevorzuge, um zu mir selbst zu finden. Die Wahrheit ist jedoch, dass diese Entscheidung mich genau davon abhält.

Es ist recht einfach in der eigenen Mitte zu bleiben, wenn man von außen nicht getriggert wird. Wir wachsen an unseren Herausforderungen. Und nichts stellt eine größere Herausforderung dar als zwischenmenschliche Interaktion. Wenn ich also Menschen meide & “lieber” für mich bin, eliminiere ich sämtliche Reibungspunkte. Damit gönne ich mir zwar vermeintlichen Frieden, nehme mir aber gleichzeitig die Chance über mich hinauszuwachsen.


Meine Themen sind Beziehungsthemen. Die wenigsten meiner inneren Baustellen hängen “nur” mit mir zusammen. Ich brauche also zwischenmenschliche Interaktion, um zu sehen, wo ich stehe & zu verstehen, was es noch braucht, um da anzukommen, wo ich hinmöchte. Auch habe begriffen, dass ich diese Vermeidungsstrategie nicht erst seit gestern praktiziere. Ich versuche mir bereits seit über einem Jahrzehnt zu beweisen, dass ich nichts & niemanden brauche. Dass ich alles allein kann. Ganz nach dem Motto: "Wer sich auf andere verlässt, ist selbst verlassen."


Zugegebenermaßen habe ich auch entsprechende Erfahrungen gemacht, die mich das haben glauben lassen. Dennoch handelt es sich dabei um einen alten Glaubenssatz, der auf Angst beruht. Angst im Stich gelassen zu werden, Angst verraten zu werden, Angst verletzt zu werden. Leider war Angst noch nie eine gute Beraterin. Interaktion & tieferen Verbindungen aus dem Weg zu gehen ist keine Lösung. Ganz im Gegenteil. Wir sind keine Einzelgänger. Wir sind soziale Wesen, die Rückhalt, Geborgenheit & Unterstützung brauchen, um sich ganz, geliebt, wertgeschätzt & noch so vieles mehr zu fühlen.


Leider stehen meine Themen derzeit im Widerspruch zueinander – zumindest für mich. Rein rational weiß ich, dass sie eigentlich Hand in Hand miteinander gehen sollten. Für mich tun sie das gefühlt aber nicht. Wie soll ich vermehrt mit Menschen in Interaktion treten, wenn ich gleichzeitig nicht in der Lage bin meine Grenzen zu setzen & zu wahren.

  • Wie lasse ich zu ohne zu viel zuzulassen?

  • Wie grenze ich mich ab ohne mich auszugrenzen?

  • Wo hört abgrenzen auf & fängt isolieren an?

  • Wo hört Unterstützung auf & fängt Abhängigkeit an?

Ich hätte noch eine ganze Litanei solcher Fragen in meinem Kopf. Aber die Hauptfrage besteht für mich darin wie ich ein gesundes Miteinander gestalte ohne dabei mich selbst & zu viel Energie zu verlieren?


Nach wie vor habe ich so meine Schwierigkeiten damit. Oft weiß ich schlichtweg nicht, wie man das macht. Auch habe ich es nie gelernt. Das ist ein offenes Feld für mich, auf dem ich mich ausprobieren darf. Bisher lief das vor allem so. In Beziehungen opfere ich mich entweder auf oder bin eiskalt. In Freundschaften verhalte ich mich oft ähnlich, nur ziehe ich dort schneller einen Schlussstrich. Auch schaffe ich es in Umgang mit Frauen eher meiner Grenzen zu wahren als in Interaktion mit Männern. Aber auch mit Fremden passiert es mir derzeit ständig, dass meine Grenzen nicht respektiert werden. Damit sind nicht zwangsläufig wildfremde Männer auf der Straße gemeint, sondern auch Männer in zweiter Instanz – also Hosts, Facilitator, Guides etc. Männer, von denen ich zumindest temporär “abhängig” bin bzw. die mir einen Service & ein geschütztes Umfeld gewähren sollen. Meine Freundlichkeit wird aktuell zu 98% als Einladung auf- & wahrgenommen. Interessanterweise immer von derselben Sorte Mann – alleinstehende, unzufriedene Männer.


Mein Außen ist der Spiegel zu meinem Inneren. Deshalb muss ich mir an dieser Stelle die Frage stellen, was das alles mit mir zu tun hat? Wo überschreite ich Grenzen? Sind es meine eigenen oder die anderer ? Bin ich einsam? Bin ich unglücklich darüber allein zu sein? Wünsche ich mir eine Beziehung mehr als alles andere, sodass mir Grenzen & Bereitschaft vollkommen egal sind? Habe ich mir in die eigene Tasche gelogen? Ist mein eigenes Verhalten der Grund dafür, dass ich alleine bin? Schlage ich alles & jeden in die Flucht?


Ganz ehrlich – ich weiß es nicht. Und je mehr ich herausfinden möchte, was für mein aktuelles Chaos der Auslöser ist, desto weniger verstehe ich. Der einzige Weg, der mir bleibt, ist in die Akzeptanz zu gehen. Es ist gerade so wie es ist. Das ständige Analysieren & Verstehen wollen bringt mich leider nicht weiter. Schattenarbeit war noch nie einfach & erst recht nicht angenehm. Aber das Leben hat auch nie von sich behauptet, dass es einfach wäre. Wir hätten das nur gerne so.


"Mach dir deine inneren Dämonen zu Freunden & heiße sie in deiner Mitte willkommen" [Ina]

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